Der Containermarkt:
Markbericht und Prognose

Globaler und europäischer Handel

Der globale Handel verzeichnete 2016 nach WTO ein leichtes korrigiertes Plus von ca. 1,3 % gegenüber 2015. Für 2017 und unter Berücksichtigung der Entwicklung bis Mai 2017 prognostiziert WTO ein Jahreswachstum von 2,4% für 2017 gesamt. Im Zuge der Euro-Krise war erkennbar, dass europäische Volkswirtschaften ein zurückhaltendes Kaufverhalten an den Tag gelegt und ihre Importe zurückgefahren haben. Auswirkungen auf den weltweiten Containerumschlag 2016 und 2017 bisher waren dennoch nicht spürbar, da insbesondere die wachstumsstarken asiatischen Märkte eine weiterhin stabile Nachfrage nach Frachtcontainern und Warenumschlag generiert haben.

Branchenentwicklung

Wachstumstreiber für die Entwicklung des Seefrachtcontainermarkts sind grundsätzlich die internationale Arbeitsteilung, neue Handelsströme in prosperierende Schwellenländer, wachsende Produktivität, fortschreitende  Technisierung und die weitere Steigerung der Containerisierung. Dazu die Zunahme der innerasiatischen Transporte sowie der Transporte von und nach Asien – möglicherweise im Gegensatz zum transatlantischen Warenverkehr. Diese Faktoren haben sich allerdings 2015 und 2016 nicht wesentlich wachstumsfördernd für den weltweiten Containerumschlag ausgewirkt. Sie bleiben aber für die Folgejahre die grundsätzlichen Wachstumstreiber, die sich in unserer Einschätzung wieder positiv auswirken werden.

Containerumschlag

In der Gesamtbetrachtung waren zwischen 1990 und 2009 durchschnittlich jährliche Wachstumsraten beim globalen Containerumschlag von ca. 10 % zu verzeichnen. Im Jahr 2009 – in direkter Auswirkung auf die  weltweite Wirtschaftskrise – sank der Containerumschlag global erstmals um – 9 %, um in 2010 mit einem Wachstumsplus von 14 % sogar das Vorkrisenniveau zu übertreffen. Die Drewry-Prognose für den Containerumschlag 2017 liegt bei 717,850 Mio. TEU, ein Plus von 2,79 %. Im Kontext der dargestellten Langzeitbetrachtung ist dieses leichte Plus in zweifacher Hinsicht positiv zu bewerten:

  • Es ist ein solides, gesundes und marktgerechtes Wachstum.
  • Zum anderen ist im Gesamtkontext der Jahre 2009 bis 2017 die enorme Regenerationsfähigkeit eines Containermarktes zu sehen, auch nach ernsthaften weltweiten Wirtschaftskrisen, die auch den Welthandel insgesamt beeinflussen.

So zeigen Welthandel und weltweiter Containerumschlag nach den aktuellen Prognosen ähnlich konservative Wachstumswerte zwischen 2 % und 3 %. Bei nahezu gleichbleibendem Grad der Containerisierung mit ca. 74,5 %,  also dem Anteil der Güter, die mit Seefrachtcontainern transportiert werden, sind die korrespondierenden Werte zwischen Welthandel und Güterumschlag folgerichtig. Im Ergebnis zeigt dies die hohe Schwankungsresistenz des Containerumschlag-Volumens weltweit, die in den Jahren 2015 und 2016 auch auf die Pufferwirkung des stabilen Containeranteils am gesamten Warenverkehr zurückzuführen ist.

Im Jahr 2017 wird der weltweite Containerumschlag von 698,33 Mio. TEU (2016) nach Prognose Drewry um ca. 2,79 % auf 717,85 Mio. TEU wachsen, für 2018 wird ein globaler Umschlag von 740,06 Mio. TEU (+3,09 %) erwartet, für 2019 eine weitere Steigerung auf 763,17 Mio. TEU (+3,12 %). Moderate Steigerungen, die einerseits das für die kommenden Jahre prognostizierte schwächere Wachstum des Welthandels abbilden, gleichzeitig aber die hohe Marktsynchronität abbilden, die ein Wachstum der weltweiten Containerflotte ausschließlich am tatsächlichen Bedarf der Industrien ausrichtet.

Containerbedarf

In den vergangenen Jahren wurde beim Containerumschlag eine enorme Effizienzsteigerung erreicht: Wurden noch im Jahr 2000 pro Schiff-TEU ca. 2,32 Container-TEU für den gesamten Umschlag-Prozess genutzt, sind es heute nur noch 1,95 Container-TEU. Auch dadurch wurde der Zusatzbedarf an Frachtcontainern zunächst gebremst. Weitere Effizienzsteigerungen und Einsparpotenziale durch Produktivitätssteigerungen im Container-Handling sind jedoch kaum möglich, da die Reedereien in einem „Dienstleistungs-Markt“ die beiden wichtigsten Erwartungen sonst nicht mehr bedienen könnten: Pünktlichkeit und Lieferfähigkeit. Daraus ist für die Folgejahre eine Bedarfs- und Nachfragesteigerung sowohl bei Gebraucht- als auch bei Neucontainern abzuleiten. 

Die jährliche Gesamtproduktion neuer Seefrachtcontainer ist von zwei Größen abhängig: zum einen vom jährlichen globalen Containerflottenwachstum, zum anderen vom Anteil der Containerflottenerneuerung, also dem Ersetzen der altersbedingt aus dem Markt ausscheidenden Seefrachtcontainer durch neu produzierte Boxen. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung der weltweiten Containerproduktion insgesamt und die jeweiligen Anteile durch das Flottenwachstum und die Flottenerneuerung von 2014 bis 2019:

Im Zehnjahreszeitraum von 2007 bis 2016 wurden im Jahresschnitt global 2,879 Mio. TEU neue Containerkapazitäten produziert. Selbst im Wirtschaftskrisenjahr 2009 wurden trotz der weltweiten Gesamtreduktion der Flottengrößen um –1,075 Mio. TEU (–3,8 %) noch 0,450 Mio. TEU neu produziert, ausgelöst durch den Bedarf an Flottenerneuerung mit 1,525 Mio. TEU (+5,5 %). Im Vierjahreszeitraum 2016 bis 2019 ist mit einer durch-schnittlichen Jahresneuproduktion von 2,982 Mio. TEU zu rechnen, also ein leichter Anstieg der Neuproduktion insgesamt. Erwähnenswert dabei ist der Umstand, dass dieses Wachstum nicht in erster Linie durch die reine Flottenerneuerung erklärbar ist, sondern durch den Zusatzbedarf, der durch das prognostizierte Flottenwachstum in den Jahren 2016–2019 ausgelöst wird – trotz des historischen Tiefstwertes mit nur 0,320 Mio. TEU an Neuproduktion wegen Flottenwachstum in 2016. Damit entfallen im Vierjahres-Output der gesamten Containerneuproduktion etwa 33 % der Containerneuproduktion allein auf die Flottenerweiterung, 67 % auf die Flotten-erneuerung. Der weltweite Gesamtbedarf erhöht sich  damit von 37,850 Mio. TEU in 2016 auf 41,450 Mio. TEU in 2019, was einer Bedarfssteigerung von  9,5 % im Vierjahreszeitraum entspricht.